Was Zugkraft-Diagramme über Motorräder verraten

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Wer Motorräder vergleicht, schaut meistens auf PS und Drehmoment. Das sind Werte am Motor, nicht am Rad. Was tatsächlich auf die Straße geht, hängt aber von Getriebeübersetzung und Reifengröße ab — und plötzlich beschleunigt das vermeintlich stärkere Bike nicht besser. Genau diesen Übersetzungsfehler räumt das Zugkraft-Diagramm aus.

Was angezeigt wird

Drei Sichten, ein Klick weiter:

  • Max. Kraft am Rad: die Einhüllende über alle Gänge — also die Schubkraft, die du theoretisch abrufen kannst, wenn du den optimalen Gang erwischst. Zeigt, wo der Motor "am stärksten zieht".
  • Durchzug im 3. Gang: die realistische Landstraßenfrage. Aus der Kurve raus oder ein Überholmanöver ohne Runterschalten — wer zieht hier weg.
  • Beschleunigung in m/s²: (Zugkraft − Fahrwiderstand) / Masse. Fairer Vergleich über das Gewicht hinweg. Mit eingezeichneter Wheelie-Grenze bei ~1g.

Die Physik dahinter

Die Radzugkraft pro Gang berechnet sich aus:

F(v) = M(n) · i_gesamt · η / r_dyn

Mit M(n) als Motordrehmoment bei Drehzahl n, i_gesamt als Gesamtübersetzung des jeweiligen Gangs (Primär · Getriebe · Sekundär zusammengefasst), η als Antriebsstrang-Wirkungsgrad (angenommen 0,90) und r_dyn als dynamischer Reifenradius. Die Geschwindigkeit ergibt sich aus v = n / i_gesamt / 60 · 2π · r_dyn · 3,6.

Das klingt simpel — wenn man die Eingangsdaten hat. Drehmoment-Peak und Peak-Drehzahl stehen in jedem Prospekt. Übersetzungen pro Gang dagegen nicht, jedenfalls nicht bei den meisten Herstellern.

Datenbeschaffung per Recherche-Agent

Für jedes neue Motorrad läuft im Hintergrund ein kleiner Agent, der tatsächlich im Web sucht — keine LLM-Halluzinationen. Der Agent:

  1. Sucht nach "<Hersteller> <Modell> technische Daten" auf DuckDuckGo/Mojeek
  2. Lädt 2-3 vielversprechende Quellen (motorcyclespecs.co.za, ultimatespecs, gearingcommander, Wikipedia, Hersteller-Pressekits)
  3. Extrahiert Drehmomentpeak, Leistung, Reifendimension, Gewicht, Übersetzungen
  4. Submittet eine strukturierte Spec im JSON-Format

Dabei läuft server-seitig eine Plausibilitätsprüfung: passt v_top im 6. Gang zu einer realistischen Höchstgeschwindigkeit (180-330 km/h)? Liegt v im 1. Gang im typischen Bereich (60-140 km/h bei Drehzahlgrenze)? Stimmt das errechnete Maximum aus der Drehmomentkurve mit der Werks-Leistung überein? Wenn was nicht passt, geht der Agent nochmal in eine Korrektur-Runde.

Jedes Bike bekommt ein Quality-Tag: verified (alle Werte aus belegten Quellen), partial (Hauptwerte belegt, Gangwerte teilweise geschätzt), estimated (mehrere Werte aus Schätzung). So siehst du auf einen Blick, wie verlässlich die Daten sind.

Wofür’s gut ist

Konkrete Frage: ist die KTM 1390 Super Adventure tatsächlich stärker als die BMW R 1300 GS? Auf dem Papier ja (160 vs. 145 PS). In der Praxis? Schau dir die Kurven an — die R1300GS legt durch ihre etwas längere 1.-Gang-Übersetzung früher mehr Bums auf die Straße, die 1390 zieht oben raus weiter. Beide aber praktisch identisch im Beschleunigungs-Maximum (~14 m/s² ohne Wheelie-Grenze). Spürbar gleich, gefühlt verschieden — weil die Kraftentfaltung anders ist.

Und genau dafür ist das Diagramm da: weg von "mehr PS = besser", hin zu "welcher Motor liefert wo Drehmoment auf die Straße".

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